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11 Fragen an den Powerlifter und Personal Coach Sven Sigrist

Sven SigristSo liebe Leute, heute habe ich einen Interviewpartner aus der Schweiz! 

Den Powerlifter und Personal Coach Sven Sirgist.

Vorhang auf, 11 Fragen rund um die Themen Fitness und Ernährung.

1. Hallo Sven. Vielen Dank, dass du dir Zeit für das Interview genommen hast. Stelle dich doch bitte einmal meinen Lesern vor.

Gerne doch – also mein Name ist Sven Sigrist, ich bin frische 29 Jahre alt und arbeite im Büro als Verkehrsplaner. Neben der Arbeit widme ich meine Freizeit vor allem dem Powerlifting sowie dem Reisen in andere Länder.

2. Du bist amtierender Schweizermeister im Powerlifting. Wobei handelt es sich hierbei?

Korrekt – Powerlifting ist im deutschen Sprachraum auch unter dem Namen Kraftdreikampf bekannt. Wie der Name es schon sagt, geht es darum in den 3 Disziplinen – Kniebeugen (Squat), Bankdrücken (Bench) und Kreuzheben (Deadlift) in einer Wiederholung die Maximalkraft abzurufen. Im Wettkampf hat man dabei pro Disziplin jeweils 3 Versuche das bestmöglichste Gewicht unter entsprechenden Regeln welche durch 3 Kampfrichter kontrolliert werden, „gültig“ zu kriegen.

3. Zudem habe ich gelesen, dass du 3-facher Schweizer Rekordhalter in verschiedenen Gewichtsklassen bei Kniebeugen, Kreuzheben und Totales-bewegtes-Gewicht bist. Wie ist es dazu gekommen und was sind deine wichtigsten Trainingserkenntnisse um solche Leistungen zu erzielen?

Das ist richtig – in meiner Gewichtsklasse (Men Open -74kg) besitze ich mit 207,5 kg Squat, 260 kg Deadlift und einem Total von 600 kg aktuell 3 Schweizerrekorde. Angefangen hat alles im Dezember 2015 als ich das erste Mal an einem offiziellen Wettkampf teilgenommen habe. Dazumal aber nur in der Einzeldisziplin „Deadlift“ in der der damalige Rekord bei 220kg lag. Ich konnte dort als „Newcomer“ den Rekord um 30kg auf 250kg erhöhen. Danach folgte knapp 1 Jahr später die Schweizermeisterschaft in der ich dann die Qualifikation für die Teilnahme an der IPF Europa- und Weltmeisterschaft sichern konnte.

Im Training wird ca. 4 Wochen vor dem Wettkampf ein sogenanntes „Peaking“ eingeleitet in dem man den Körper darauf konditioniert, an Tag X die bestmöglichste Leistung abzurufen.

Dabei steigt von Einheit zu Einheit die Intensität und das Volumen nimmt dabei ab. 1 Woche vor dem Wettkampf wird dann nicht mehr trainiert – man spricht von einem „Taper“ was einfach bedeutet, dass man dem Körper die nötige Zeit für den Abbau der Erschöpfung gibt.

Sven Sigrist 1

Ernährungstechnisch tracke ich einfach meine Kalorien so, dass ich mein Gewicht halte um in der Gewichtsklasse zu bleiben. Dabei beachte ich natürlich auch meinen täglichen Bedarf an Makro- und Mikronährstoffen um die Gesundheit und Leistung zu optimieren.

4. Thema Abnehmen: in dem Diät-Dschungel blicken viele Übergewichte irgendwann nicht mehr durch. Während die einen – wie bspw. ich – Low Carb empfehlen, raten andere zu High Carb, Low Fat, High Fat, vegan und Co. Was hältst du von den unterschiedlichen Ernährungsformen zum Abnehmen?

Egal welche Ernährungsform wir uns anschauen – um Gewicht abzunehmen benötigt es IMMER ein Kaloriendefizit sprich ich muss meinem Körper weniger Energie zuführen als er verbraucht – dann nimmt man ab (physikalisches Gesetz der Thermodynamik). Somit führt jede Diät, die diese Grundregel beachtet zum Erfolg.

Es bestehen viele Mythen gerade im Bezug auf Diäten und jeder sagt etwas Anderes – schlussendlich sind aber viele Mythen mit etwas Verständnis von Biochemie und Human Biologie schnell entkräftet.

Sicherlich wichtig ist es Mal, dass ich die Diätform einhalten kann – es bringt mir nichts, wenn ich beispielsweise gerne Fleisch esse und mich dann zwinge, mich vegan zu ernähren. Die beste Diät ist immer noch die, die ich am besten umsetzen kann – der Erfolg jeder Diät besteht darin, dass man sie auch wirklich durchziehen kann. Sich etwas zu verbieten endet mittelfristig in einem Desaster. (Lesetipp am Rande: Warum Diäten scheiße sind)

Einzig der anhaltende Low-Carb-Trend ist mir persönlich ein Dorn im Auge.

Anfangs wird durch die Reduktion der Kohlenhydrate einiges an Gewicht verloren, weil der Körper das durch die Kohlenhydrate gebundene Wasser verliert – einige setzen das dann gleich mit Fettabbau, was es natürlich nicht ist. Es existiert keine anständig designte Studie die belegt, dass Low-Carb besser als andere Diätformen funktioniert.

Sven Sigrist Wettkampf

Sogar der Low-Carb Guru Gary Taubes musste mit seiner eigenfinanzierten Studie zähneknirschend feststellen, dass es keinen Mehrwert durch diese Ernährungsform gibt – aber um seinen Ruf nicht zu verlieren, propagiert er es trotzdem munter weiter. Ebenfalls ist gerade für Leistungssportler eine LC-Diät die ungünstigste Option, da gerade beim Sport die Glucose der Hauptenergielieferant ist. Daher fahre ich die Ernährungsstrategie „High Carb, Low Fat“

5. Deine 5 besten Abnehm-Tipps für Leute mit wenig Freizeit?

  1. tracke deine Kalorien und ernähre dich in einem Kaloriendefizit
  2. erhöhe deinen NEAT (Non-excercise activity thermogenesis), sprich nimm anstelle des Autos das Fahrrad zur Arbeit oder steige eine Station früher aus der Bahn
  3. meide flüssige Kalorien (Milchkaffee und Süßgetränke) und steige auf „Zero-Getränke“ um. Beim Kaffee kann man vielmals einfach „Nonfat“-Milch bestellen
  4. falle nicht auf Abnehm-Produkte wie Shakes oder Pillen rein – Wunder gibt es nicht
  5. iss viel Gemüse – damit deckst du nicht nur deinen Bedarf an Mikronährstoffen sondern es sättigt auch sehr gut und hat kaum Kalorien.

6. Welche Sportart ist deiner Meinung nach die effektivste beim Abnehmen und warum?

Grundsätzlich kann man auch ganz ohne Sport abnehmen, wenn man sich wie bereits erwähnt in einem Kaloriendefizit befinden. Ausdauersport verbraucht fast doppelt so viel an Kalorien wie Kraftsport – daher wäre das sicherlich die bessere Wahl wenn es darum geht, sein Kaloriendefizit zu erhöhen.

Möchte ich aber, dass die Haut straff wird, sollte Krafttraining bevorzugt werden, da durch den Muskelaufbau auch das Bindegewebe straffer wird. Am besten ist eine gesunde Mischung der beiden Dinge.

1,5 Stunde Krafttraining gefolgt von 30 Minuten lockerem Ausdauertraining sind da sicherlich zielführend.

7. Nahrungsergänzungsmittel: eine super Unterstützung beim Abnehmen oder Geldverschwendung?

Die Wahrheit ist leider hart und grausam – es gibt keine legal erwerblichen Mittel, die signifikant helfen beim Abnehmen – auch wenn uns das die Supplementindustrie weiss machen will, die Studienlage sagt etwas anderes. All diese Abnehmshakes haben dasselbe Ziel – ich ersetze damit eine Mahlzeit, spare dadurch Kalorien ein und erreiche so ein Kaloriendefizit ergo ich nehme ab.

Was sinnvoll sein kann, sind gewisse Mikronährstoff-Ergänzungen wie Vitamin D3, Omega-3-Kapseln aus Fischöl sowie Magnesium und Zink. Da muss man aber nicht auf teure Produkte die im MLM-System vertrieben werden zurückgreifen – es reichen ganz normale Produkte wie man sie bei den meisten Nahrungsergänzungs-Shops erhält.

8. Thema Motivation: wie motivierst du dich regelmäßig um deinen Hintern immer wieder hochzubekommen?

Grundsätzlich sollte der Sport in erster Linie Spaß machen!

Muss ich mich jedes Mal ins Fitnessstudio zwingen sollte ich mich fragen, ob es wirklich das Richtige für mich ist. Klar gibt es auch bei mir ab und an Mal einen Tag an dem meine Motivation etwas geringer ist als sonst. Ich erinnere mich dann einfach daran, dass ich ohne die harte Arbeit nicht jetzt da wäre wo ich jetzt stehe und die „Konkurrenz“ nicht schläft.

Ein paar Motivations-Videos auf Youtube schauen hilft ebenfalls.

9. Welche 10 Lebensmittel dürfen in keiner gutsortierten Fitnessküche fehlen und warum?

Da ich mich nach dem Prinzip von IIFYM (If it fits your macros) und Flexible Dieting ernähre, was so viel heißt wie „Ess das, was in deinen Makro- und Mikronährstoffbedarf passt“ gibt es bei mir täglich etwas Anderes zu essen.

Grundsätzlich ist sicherlich eine grosse Auswahl an eiweisshaltigen Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Eier, Magerquark, Milch und Hülsenfrüchten Pflicht.

Sven Sigrist Kreuzheben

Ebenfalls dürfen Gemüse und Obst nicht fehlen – umso bunter umso besser. Haferflocken bilden ebenfalls eine gute Basis für das Frühstück. Zudem bin ich ein wahnsinniger Fan von PopTarts (US-Zuckergebäck aus dem Hause Kellogs) als Snack vor dem Training – das wäre dann die persönliche Note in der Küche.

10. Dein Lieblings-Diät-Rezept?

Pudding-Oats – ein Rezept welches von Bernd Strehl alias Flexible Cooking die runde im Netz macht und gerade als Frühstück mit großem Volumen, wenig Kalorien und gutem Geschmack punktet.

Dazu benötigt man:

  • 60g feine Haferflocken
  • 500ml Wasser
  • 30g Pudding-Pulver (z.B. Dr Oetker Schoko od. Vanille)

Alles in einer GROSSEN, mikrowellentauglichen Schüssel (Masse überläuft sonst) vermischen und für 10 Minuten bei voller Leistung in die Mikrowelle stellen.

Anschließend 150g Magerquark und 200 ml (Halbfett-)Milch beimischen und mit Süßstoff nachsüßen. Anschliessend das ganze abkühlen lassen oder über Nacht im Kühlschrank stehen lassen. Wer mag, kann das Ganze noch mit Topping nach Wahl (z.B. Schokoladen-Sauce) aufwerten.
Die Nährwerte belaufen sich dabei auf 539kcal, 81g Kohlenhydrate, 10g Fett und 28g Eiweiss bei knapp 900g Masse.

11. Danke für deine Zeit. Nun möchte ich dir noch die Gelegenheit geben, mehr über deinen Blog zu erzählen. Auf was können sich meine Leser bei dir freuen?

Gerne, ich danke dir. Auf meinem Blog findet man allerlei Artikel um das Thema Training und Ernährung. Die Artikel sind wissenschaftlich fundiert und evidenzbasiert sprich keine Mythen sondern Fakten wie beispielsweise „Macht Zucker wirklich süchtig?“. Ebenfalls sind einige Fitness-Rezepte zu finden sowie natürlich meine Coaching-Angebote.

Ich freue mich, wenn ihr bei der Gelegenheit mal auf der Seite etwas rumstöbert.


Vielen Dank nochmals an dieser Stelle an Sven. Das war ein megacooles Interview mit jeder Menge Content!

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